Interaktion mit "Unabhängigen Datenschnitten"

Mit Power Pivot ist es möglich interaktive Analysetabellen oder Dashboards mit Hilfe von unabhängigen Datenschnitten oder 'Disconnected Slicer' zu erstellen. Hiermit kann man seinem Chef oder dem Kollegen die Freiheit geben, begrenzt in die Berechnungen des Datenmodells einzugreifen. So ist es zum Beispiel möglich, dass man einen Umsatzbericht in Euro abhängig von der Auswahl des Wechselkurses Euro/US-Dollar verändert. Hört sich komplizierter an als es wirklich ist. Wie das funktioniert, erkläre ich im folgenden EinBlick.

Wie eingangs erwähnt, habe ich eine Tabelle in meinem Power Pivot Datenmodell, das sämtliche Umsätze über einen gewissen Zeitraum in US-Dollar beinhaltet. Das könnten zum Beispiel die Plan-Umsätze meiner Filialen in den USA sein. Als deutsches Unternehmen interessiert es mich, wie hoch die Umsätze dieser Filialen in Euro sind. Entscheidend für diese Umrechnung ist natürlich das Wechselkursverhältnis Euro/US-Dollar. Da mir die zukünftigen Wechselkurse nicht bekannt sind, möchte ich meinem Vorgesetzten die Freiheit geben innerhalb meines Excel-Berichts mehrere Szenarien zu simulieren.

DatenmodellFür mein kleines Beispiel habe ich eine Kalendertabelle für die Datumsdimension importiert. Des Weiteren gibt es die Tabelle 'Umsätze' mit sämtlichen Umsätzen pro Tag in US-Dollar. Und zu guter Letzt besitzt mein Datenmodell eine Tabelle 'Wechselkurs' mit verschiedenen Ausprägungen des Wechselkurses Euro in US-Dollar. Abhängig von den Wechselkursen, die ihr zur Verfügung stellen wollt, könnt ihr mehr oder weniger Wechselkurse in diese Tabelle eintragen. Darüber hinaus habe ich die Kalendertabelle über den Datumswert mit der Tabelle 'Umsätze' verbunden. Die Tabelle 'Wechselkurs' hat keine Verbindung zu einer anderen Tabelle. Nur so ist es möglich eine spätere Interaktion herbeizuführen. Welche Verbindung sollte diese Tabelle auch haben. Sie hat nur eine Spalte mit den Wechselkursen und meine anderen Tabellen haben keine identischen Werte.

Im Grunde genommen steht jetzt unser Datenmodell und ihr könnt euch an die Berechnungen der Kennzahlen / Berechneten Felder / Measures machen.

Zuerst erstellt ihr ein Measure für den Umsatz in US-Dollar. Dafür summiert ihr einfach die Spalte 'Umsatz' aus der 'Umsätze' Tabelle.

Verkaufsumsatz in US-$ = sum('Umsätze'[Umsatz])

Damit ihr später unterschiedliche Wechselkurse auswählen könnt, müssen ihr eine Auswahl der einzelnen Wechselkurse zur Verfügung stellen. Dies macht ihr, indem ihr einen Datenschnitt (Slicer) von der Spalte 'Euro/Dollar' aus der Tabelle 'Wechselkurs' in eurem Excel-Arbeitsblatt einfügt. Wenn ihr eurer Datumsdimension eine Hierarchie hinzugefügt habt, ergibt sich folgendes Bild.Tabelle1

Natürlich passiert jetzt noch nichts, wenn ihr den Datenschnitt betätigt. Dafür müsst ihr noch einige Erweiterungen vornehmen.

Nachdem ihr die Basis für eure Wechselkursumrechnung gelegt habt, geht es jetzt an die eigentliche Aufgabe. Nun müsst ihr ein Measure erstellen, das den US-Dollar-Verkaufsumsatz in Euro umrechnet. Wie könnte solch ein Measure aussehen? Eigentlich ganz einfach.

Verkaufsumsatz in Euro = Verkaufsumsatz in US-$ / Wechselkurs

Nun gibt es aber in unserem Datenmodell nicht nur einen Wechselkurs, sondern viele verschiedene Kurse in einer Spalte. In Power Pivot ist es euch nicht möglich Spalten gegeneinander aufrechnen zu lassen sowie es auch nicht möglich ist, Measures mit einer Spalte aufrechnen zu lassen. Was ihr aber sehr wohl aufrechnen könnt, sind zwei Measures miteinander!

Demzufolge sind solche Berechnungen möglich:

Measure3 = [Measure1]*[Measure2]

Ihr müsst jetzt also aus der Spalte 'Euro/Dollar' ein Measure machen. Die Summe der Spalte ergibt hierbei keinen Sinn. Sobald ihr mal mehr als ein Wechselkurs ausgewählt habt, wird mit der Summe dieser Mehrfachauswahl getroffen. Ähnliches passiert, wenn ihr den Durchschnitt der Spallte benutzt. Was aber sehr gut funktioniert, ist das Minimum oder Maximum der Spalte. Demzufolge kann das Measure für den Wechselkurs folgendermaßen aussehen:

Wechselkurs = min(Wechselkurs[Euro/Dollar]) oder = max(Wechselkurs[Euro/Dollar])

Tabelle2Wenn ihr das Wechselkurs-Measure eurer Pivot-Tabelle hinzufügt, erhaltet ihr dieses Bild.

Wenn ihr nun unterschiedliche Werte mit eurem Datenschnitt auswählt, dann seht ihr, wie sich der Wechselkurs-Wert in eurer Pivot-Tabelle verändert. Sobald ihr mit eurem Datenschnitt mehr als einen Wert auswählt, erscheint der Minimum- bzw. Maximum-Wert eurer Auswahl.

Jetzt ist es ein einfacher Schritt zu eurem Measure 'Verkaufsumsatz in Euro' zu kommen. Wie bereits oben erwähnt, dividiert ihr den 'Verkaufsumsatz in US-Dollar' mit dem Measure 'Wechselkurs'.

Verkaufsumsatz in Euro = DIVIDE([Verkaufsumsatz in US-$];[Wechselkurs])

Tabelle3Fügt auch dieses Measure eurer Pivot-Tabelle hinzu und euer Bericht sollte wie folgt aussehen.

Wenn ihr nun den Datenschnitt betätigt, seht ihr wie sich der Wechselkurs und der Verkaufsumsatz verändern.

Hinweis: Auf der rechten Bildschirmseite in der Pivot-Tabellen-Feldliste erscheint eine Meldung, dass keine Beziehung zwischen den Tabellen erkannt wurde. Das ist logisch, da wir auch keine Verbindung zwischen der Wechselkurs-Tabelle und irgendeiner anderen Tabelle hergestellt haben und auch nicht herstellen wollen.Fehler

Lasst euch von dieser Meldung nicht irritieren. Mit Excel 2010 ist es möglich, solche Hinweise zu unterbinden. Deaktiviert einfach unter dem Menüpunkt 'PowerPivot' die Funktion "Beziehungserkennung". Jetzt werdet ihr nicht mehr damit belästigt. BeziehungserkennungLeider ist das Deaktivieren der "Beziehungserkennung" mit Excel 2013 nicht möglich.

Mein Wechselkursbeispiel ist natürlich nur ein Ideenanreiz zur Erläuterung dieser Technik. Ihr könnt diese Technik auch für andere Szenarios verwenden. Diese Methode eigente sich beispielsweise auch für die Berechnung eines Break-Even-Points. Ihr habt eine Tabelle mit euren Umsätzen und zusätzlich eine Tabelle mit euren Kosten pro Mitarbeiter. Jetzt wollt herausfinden, wie viele Mitarbeiter ihr bei gebenen Umsatz beschäftigen dürft, um in die Gewinnzone zu kommen. Auch diese Fragestellung könnt ihr wie beim vorhergehenden Wechselkurs-Beispiel lösen.

Ihr seht, die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig. Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg bei der Erstellung von Berichten mit unabhängigen Datenschnitten (Disconected Slicer).

Meine Datei (Excel 2013) zu dem Wechselkurs-Beispiel findet ihr hier.

Anhänge herunterladen

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit Stern * zu füllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.

Aus dem Blog

Kontakt

Assecor GmbH
Storkower Straße 207
10369 Berlin

030 / 233 200 200

power-bi@assecor.de